Ozeaneum
Posted on 11/17/2009 at 7:03:07 PM
Mein “Urlaub” führte mich einmal mehr an die Ostsee, wenn auch nur für wenige Tage. Diesmal stand das Ozeaneum in Stralsund auf dem Programm. Bisher kannte ich nur das Meereskundemuseum, aber man kann durchaus sagen, dass das Ozeaneum eine Steigerung ist. Die Hallen sehen mit den hellen Betonwänden ein wenig unfertig aus, aber die Bauarbeiten scheinen beendet. Der Eintritt ist angesichts des Projektes durchaus gerechtfertigt und nicht überzogen.
An der oberen Scheibe finden sich die Entfernungen bekannter Hafenstädte.

In den Treppenaufgängen begrüßen den Besucher riesige Walskelette, eines davon liegt auf dem Grund des größten Aquariums der Anlage (dem Schwarmfischbecken), das immerhin eine Million Liter Seewasser fasst.

Der Aufbau des Museums ist etagenweise gegliedert, ganz oben geht es mit der Theorie los. Diese ist allerdings durchaus leicht verdaulich dargestellt, man kann selbst viel herausfinden, anfassen, zuordnen. Plankton wurde zur besseren Veranschaulichung um ein vielfaches vergrößert, aus Plastik nachgestellt und hängt wie eine umfangreiche Tupperdosensammlung von der Decke.
Neben vielen Exponaten ist auch der oft gezeigte Tiefseeanglerfisch zu finden. Er lebt in einer Tiefe von absoluter Dunkelheit und das Weibchen kann mit seiner leuchtenden “Angel” Beute anlocken, die so vermutlich von seinen vielen, spitzen Zähnen abgelenkt ist. Sobald es die erblickt, ist es aber in den meisten Fällen bereits zu spät: der Fisch reißt sein Maul auf und saugt die Beute durch den entstehenden Unterdruck förmlich ein. Auch ca. doppelt so große Beute ist dabei kein Problem. Wenn man sich den Fisch so betrachtet wundert man sich nicht mehr wie in Zeiten Jule Vernes gruselige Geschichten über Seeungeheuer eine düstere Faszination ausüben konnten.

In der mittleren Ebene finden sich schließlich die Aquarien. Natürlich ist die Untwerwasserwelt der Ostsee nicht gerade überwältigend farbenfroh, die bunteren Aquarien mit den schönen Anemonen sind daher eher dem Nordsee-Nordatlantikbecken zuzuschreiben.

Aber auch die Unterwasserwelten der Ostsee sind sehr schön gestaltet. Zwischen Schiffswracks und untergegangenen Fahrrädern tummeln sich einheimische Fische, die auch in ihrer Schlichtheit einen besonderen Reiz haben.

Die Lichtverhältnisse sind natürlich eher schwierig, so dass man als Fotograf ziemlich zu kämpfen hat, denn Blitzen ist selbstverständlich verboten. Die Fische, die hinter den Scheiben mehr oder weniger emsig hin und her huschen, kümmern sich wohl auch wenig um ihren Ruhm. Den ein oder anderen Stör aber erwischt man vielleicht doch.

Der Höhepunkt des Ozeaneums wartet wohl ohne Frage in der untersten Etage und ist ebenso pädagogisch wertvoll wie beeindruckend. Wie auf einem Unterwasser-Sonnendeck liegt man da und betrachtet über sich die Nachbildungen eines Buckelwals, eines Pottwals im Kampf mit einem Riesenkalmar, eines Schwertwals und eines 26m langen Blauwals. Die lebensgroßen Nachbildungen werden nach und nach angeleuchtet während ihre Lebensumstände akustisch genauer beleuchtet werden. Diese Aktion ist in Verbindung mit Greenpeace entstanden und natürlich wird auf die vielfältigen Bedrohungen für die Riesen der Meere hingewiesen. Das Ausmaß dieses Ausstellungsteils lässt sich (nicht nur in Ermangelung eines Weitwinkels ;)) kaum wiedergeben, ebenso wenig wie die ganze Atmosphäre. Alles in allem ist es ein bemerkenswertes Schauspiel, bei dem man sich wie ein kleines, nichtiges Menschlein vorkommt.

Abschließend kann ich das Ozeaneum nur jedem wärmstens ans Herz legen. Es bietet einen faszinierenden Ausflug in die Welt unter dem Wasser, die man eigentlich so wenig kennt und von der man oft nur ein oberflächliches, verschwommenes Bild hat.
Weidenlabyrinth
